{"id":678,"date":"2026-05-13T15:44:00","date_gmt":"2026-05-13T15:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/len.law\/?p=678"},"modified":"2026-09-13T15:50:54","modified_gmt":"2026-09-13T15:50:54","slug":"undercover-recherche-zu-korruptionsgeldern-wann-wird-beratung-zur-geldwaescherei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/len.law\/fr\/2026\/05\/13\/undercover-recherche-zu-korruptionsgeldern-wann-wird-beratung-zur-geldwaescherei\/","title":{"rendered":"Undercover-Recherche zu Korruptionsgeldern: Wann wird Beratung zur Geldw\u00e4scherei?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann kann die Beratung eines Klienten mit mutmasslichen Korruptionsgeldern strafrechtlich relevant werden? Und wo verl\u00e4uft die Grenze zwischen rechtlicher oder finanzieller Beratung und einer Handlung, die der Verschleierung deliktischer Verm\u00f6genswerte dient?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schweizer Investigativmedium <a href=\"https:\/\/reflekt.ch\/a\/berater\"><strong>REFLEKT<\/strong> <\/a>untersuchte diese Fragen in der Undercover-Recherche <em>\u00ab<a href=\"https:\/\/reflekt.ch\/a\/berater\">T\u00fcr\u00f6ffner der Korruption<\/a>\u00bb<\/em>. Ein Schauspieler gab sich gegen\u00fcber Schweizer Anw\u00e4lten, Treuh\u00e4ndern und Verm\u00f6gensverwaltern als Vermittler eines ostafrikanischen Regierungsbeamten aus. Dieser wollte rund USD 80 Mio. aus der Vergabe von Minenlizenzen in die Schweiz bringen. Die Zahlungen wurden in den Gespr\u00e4chen ausdr\u00fccklich als \u00abfacilitating money\u00bb beziehungsweise Schmiergelder bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/len.law\/ihre-anwaelte\/stefan-mbiyavanga\/\" data-type=\"page\" data-id=\"64\">Dr. Stefan Mbiyavanga,<\/a> Rechtsanwalt bei LENLAW in Bern, geh\u00f6rte zu den externen Fachpersonen, denen REFLEKT ausgew\u00e4hlte Ergebnisse und Beratungsszenarien zur strafrechtlichen Einordnung vorlegte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was die Undercover-Recherche zeigte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">REFLEKT kontaktierte insgesamt 30 Personen. 19 erkl\u00e4rten sich zu einem Gespr\u00e4ch bereit: zehn Anw\u00e4lte, sechs Verm\u00f6gensverwalter und drei Treuh\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Darstellung von REFLEKT erl\u00e4uterten 13 Gespr\u00e4chspartner konkrete M\u00f6glichkeiten, wie sie dem vermeintlichen Amtstr\u00e4ger behilflich sein k\u00f6nnten. Elf skizzierten Massnahmen, welche die Nachverfolgung oder Herkunft der Verm\u00f6genswerte erschweren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">REFLEKT weist selbst darauf hin, dass diese Fallzahl keine repr\u00e4sentativen Aussagen \u00fcber die Schweizer Beratungsbranche erlaubt. Die Recherche zeigt jedoch konkrete Konstellationen auf, in denen sich die Frage nach den strafrechtlichen Grenzen professioneller Beratung stellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wann wird Beratung strafrechtlich relevant?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jedes problematische Beratungsgespr\u00e4ch erf\u00fcllt bereits den Tatbestand der Geldw\u00e4scherei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Einsch\u00e4tzung von Stefan Mbiyavanga liess die Versuchsanordnung der Recherche insbesondere nicht abschliessend erkennen, ob tats\u00e4chlich eine Gesch\u00e4ftsbeziehung zustande gekommen w\u00e4re. Die Dauer zahlreicher Gespr\u00e4che konnte allerdings darauf hindeuten, dass jedenfalls ernsthaftes Interesse an einer Mandatierung bestand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strafrechtlich besonders sensibel werden Beratungshandlungen dort, wo sie darauf ausgerichtet sind, die Herkunft deliktischer Verm\u00f6genswerte oder die wirtschaftliche Berechtigung daran zu verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies gilt insbesondere dann, wenn wirtschaftlich nicht reale Leistungen vorgeschoben oder gegen\u00fcber Banken irref\u00fchrende Angaben gemacht werden, um die tats\u00e4chliche Herkunft oder Zuordnung von Verm\u00f6genswerten zu verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geldw\u00e4schereiregulierung braucht wirksame Kontrolle<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Recherche wirft \u00fcber den Einzelfall hinaus eine grunds\u00e4tzliche Frage auf: Wie wirksam sind gesetzliche Geldw\u00e4schereivorschriften, wenn risikobehaftete Strukturen ausserhalb oder am Rand effektiver Aufsicht entwickelt werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stefan Mbiyavanga fasste diesen Punkt gegen\u00fcber REFLEKT so zusammen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWo Kontrolle fehlt, bleibt selbst die beste Regulierung unter ihrem Potenzial.\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die strafrechtliche und regulatorische Herausforderung liegt damit nicht allein darin, neue Pflichten zu schaffen. Entscheidend ist ebenso, verd\u00e4chtige Konstellationen zu erkennen und bestehende straf- und aufsichtsrechtliche Regeln wirksam durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Recherche ber\u00fchrt damit eine zentrale Schnittstelle zwischen <strong>Korruptionsstrafrecht, Geldw\u00e4scherei und der T\u00e4tigkeit professioneller Intermedi\u00e4re<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/reflekt.ch\/a\/berater\">Zur Recherche<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">REFLEKT ver\u00f6ffentlichte <em>\u00abT\u00fcr\u00f6ffner der Korruption\u00bb<\/em> am 8. April 2025.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann kann die Beratung eines Klienten mit mutmasslichen Korruptionsgeldern strafrechtlich relevant werden? 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